Hektik ist im "Maruba" ohne Chance!
Mannheimer Morgen - 10. Juni 2006
Geniessen in der Region: Mannheimer Gasthaus am Neckar lockt mit beruhigendem Ambiente vom Frühstück bis zum Abendessen.
Das Wohlgefühl durchströmt bereits nach wenigen Minuten den ganzen Körper. Der Service hat die Bestellung aufgenommen und das erste Getränk gebracht. Nun lockt uns ein schäumendes Weizenbier im Glas, ein spritziges (Apfelsaft-)Schörlchen oder ein guter Wein. Ein Zustand der Ausgeglichenheit macht sich in uns breit. Die Seele, wie es so schön heißt, beginnt zu baumeln - und da setzt sie ein, diese Melodie in unserem Kopf. Otis Reddings "Sittin' on the Dock of the Bay” passt zu einem Besuch im Biergarten des Gasthauses "MaRuBa", als sei es dort komponiert worden. Mit dem kleinen Unterschied, dass es am Neckar nicht Ebbe und Flut sind, die im unerschütterlichen Wechsel kommen und gehen, hier sind es die majestätisch dahin gleitenden Binnenschiffkolosse mit ihren tief blubbernden Dieseln, die wenige Meter vor unseren Augen jegliche Alltagshektik vertreiben.
Es war einmal ein traditionelles Vereinslokal, das die neuen Pächter Tuncay Atacan und seine Ehefrau Marinka Tenzera-Atacan mit viel Eigeninitiative, aber auch beträchtlichem finanziellen Aufwand herausgeputzt haben. Das Ergebnis kann sich sehen lassen - nicht nur im Außenbereich mit dem schmucken Biergarten und der ans Restaurant angeschmiegten Terrasse. Stolz zeigt Tuncay Atacan die Vorher-Nachher-Bilder, die während des sechsmonatigen Umbaus gemacht wurden.
Herausgekommen ist ein modernes Ambiente, das auch im Innenbereich eine angenehme Atmosphäre verströmt. Nicht selbstverständlich, denn das ganze Gasthaus ist einen Riesenbetrieb. Das Restaurant besitzt 110 Plätze und eine Bar. Weitere 300 finden sich im Biergarten und auf der Terrasse. Dazu gibt es auch noch zwei Nebenräume für 50 oder 80 Personen.
Doch der Mensch lebt nicht vom Wohlgefühl allein. Also widmet er früher oder später seine Aufmerksamkeit dem, was die Küche an sieben Tagen die Woche von morgens bis abends zu bieten hat. Um 9.30 Uhr öffnet das "MaRuBa", um 1 Uhr ist Feierabend. Natürlich gibt es angesichts der frühen Öffnungszeit eine eigene Frühstückskarte, an Sonn- und Feiertagen ein Frühstücksbüffet bis zum Nachmittag (11,90 Euro). Unter der Woche werden von 11.30 Uhr bis 15 Uhr zwei täglich wechselnde Mittagsmenüs zum Preis von 6,50 oder 6,90 Euro angeboten. Meistens etwas Bürgerliches und ein Pasta-Gericht. Außerdem finden sich an zahlreichen Schiefertafeln im Eingangsbereich und an den Wänden Tagesempfehlungen mit Suppen, etwa Bärlauchrahm oder Spargelcreme (4,20/4,50 Euro), deftige Spezialitäten wie Rindfleischsalat mit Bratkartoffeln oder einem empfehlenswerten Flammkuchen "MaRuBa" mit Tomaten, Oliven, Pepperoni, Thunfisch und Rucola (beides 8,90 Euro). Dieser Mittagstisch erfreut sich wachsender Beliebtheit und wurde von uns mehrfach getestet.
Ein abendliches Menü eröffneten wir mit einem interessanten, dezent aromatisierten Secco Maracuja zu 3,50 Euro das Glas. Die bereits erwähnte Bärlauchrahmsuppe und ein wohlschmeckender gratinierter Ziegenkäse (6,90 Euro) folgten. Danach hatten es uns Medaillons angetan. Zum einen vom Seeteufel im Weißburgundersud gegart mit Tagliatelle (17,80 Euro), zum anderen welche vom Kalb in Dijonsenfsauce mit Spätzle und Gemüse (17,20 Euro). Fleisch und Gemüse waren auf den Punkt zubereitet, die Sauce ein Genuss. Die Spätzle hätten wir uns etwas weniger trocken gewünscht. Nicht ganz ungetrübt war der Genuss des Fisches. Der Kampf mit den sieben Häuten des Seeteufels wurde nur bei vier der sieben Medaillons gewonnen, zudem ließ die Ankündigung der Zubereitung in Weißburgundersud nicht ahnen, dass die Tagliatelle in einer Sahnesauce daherkommen würden, die den feinen Geschmack des Fisches zu sehr unterdrückte. Hier hat die Küche noch Steigerungsmöglichkeiten.
Erdbeer-Rhabarber-Salat (5,50 Euro) und eine französische Käseauswahl mit Feigensenf (7,90 Euro) aus dem Reich von Küchenchef Markus Kleinhenz rundeten den Abend ab. Was danach noch geht, ist höchstens heiße Luft. Die gibt es aus dem hauseigenen Humidor in Form einer reichhaltigen Zigarren-Auswahl.
Darüber hinaus bieten Tuncay Atacan, dessen Weg 1977 von der Türkei nach Deutschland über verschiedene Stationen der Gastronomie nun ins MaRuBa führte, und seine Frau Marinka, eine in Kroatien geborene, gelernte Köchin, die den Service leitet, nahezu jeden Sonntag auch kulturelle Veranstaltungen. Natürlich finden auch Fußball-Freunde angesichts der gestern eröffneten Weltmeisterschaft Gelegenheit, zu genießen, ohne etwas zu versäumen. Die eingangs beschriebene Großzügigkeit des ganzen Komplexes sorgt aber auch für Fußball-freie Zonen.

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